Slow Scan Television

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SSTV ist eine Entwicklung von Funkamateuren, um - wie bei FAX - unbewegte Bilder in einem Telefoniekanal zu übertragen. Mittlerweile hat auch in der Bildübertragung die Digitaltechnik Einzug gehalten - als Digital-SSTV. Programme wie WinDRM, DigTrx, Hampal und EasyPal haben sich rasant verbreitet und werden weltweit eingesetzt.

Computer, Software und Co ermöglichen es, Bilder zu speichern und zu bearbeiten. Warum also nicht diese auch im digitalen Format als Datenstrom über unsere Amateurfunkbänder übertragen? In den letzten Jahren wurde verstärkt mit entsprechenden Digital-Verfahren experimentiert. Mittlerweile wird sogar ein OFDM ähnliches Verfahren (Orthogonal Frequency Division Multiplex) als Modulationsart benutzt. Dabei werden die Informationen auf viele einzelne Subträger verteilt. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie sich selbst hochauflösende Bilder mit diesem Verfahren drahtlos übertragen lassen.

Die ersten Ideen zu SSTV (“Slow Scan Television”, also “langsam abtastende Bildübertragung”) stammten aus den USA Ende der 1950er Jahre. Dabei stützte man sich auf Bild- und Zeilen-Synchronimpulse, so dass auch von einem Fernsehverfahren gesprochen werden kann. Es waren jedoch lediglich Standbilder ohne weitere Begleitinformationen (z. B. Ton) mit SSTV übertragbar.

In Deutschland gab es im Jahr 1972 erste SSTV Versuche für die meist Nachleuchtröhren aus Radar-Beständen verwendet wurden. Später kamen erste Geräte hinzu, die es erlaubten, das Bild auf einem TV-Bildschirm darzustellen. Man brauchte also keinen extra abgedunkelten Raum mehr, um etwas zu erkennen. Durch die geringe Übertragungsbandbreite (max. 3 kHz) war jedoch nur eine sehr langsame Abtastung möglich: Schwarzweiße Bilder wurden mit einer Auflösung von 120 Zeilen zu je 120 Pixeln übertragen. Dafür wurden sieben bis acht Sekunden benötigt. Durch Verdoppeln der Zeilenzahl, Verdoppeln der Bildpunkte pro Zeile bzw. durch beide Maßnahmen gleichzeitig kamen später Übertragungszeiten von 16 und 32 Sekunden für ein Bild zustande.

Zur Übertragung farbiger SSTV-Bilder wurde zunächst mit einem bildsequentiellen Verfahren experimentiert, bei dem das Farbbild in einen Rot-, Grün- und Blauauszug zerlegt wurde. Diese drei Auszüge wurden anschließend als drei Schwarzweiß-Bilder nacheinander gesendet und auf der Empfangsseite wieder zu einem Farbbild zusammengesetzt. Dabei wird das empfangene Farbbild erst nach der Übertragung des dritten Farbauszugs erkennbar.

Der deutsche SSTV-Pionier Volker Wraase, DL2RZ, entwickelte in der Folgezeit ein zeilensequentielles Verfahren, das in abgewandelter Form den heute allgemein üblichen Übertragungsstandard repräsentiert. Auch hier wird das Bild in drei Farbauszüge zerlegt, die zeilenweise in der Folge Rot, Grün, Blau gesendet werden. Die eindeutige Zuordnung der drei Auszüge zum entsprechenden Bildspeicher auf der Empfangsseite wird mit einem modifizierten Synchronisationsimpuls vor der Rot-Zeile realisiert.

Wesentliche Weiterentwicklungen kamen von den britischen Funkamateuren Eddie ("Scottie") Murphy, GM3SBC, und Martin Emmerson, G3OQD, die mit neuen Verfahren die Übertragung der SSTV-Bilder störunanfälliger machen wollten. Die Anzahl der zu sendenden und auszuwertenden Synchronisationssignale wurde minimiert. Auf diese Weise können SSTV-Bilder annähernd freilaufend übertragen werden. Diese neuen Verfahren hielten als sogenannte "New Modes" bzw. "Free-Run-Modes" relativ schnell Einzug in die SSTV-Praxis der Funkamateure.

Der maßgebliche Übertragungsstandard für analoges SSTV stützte sich auf die Entwicklung von Martin Emmerson, G3OQD. Von seinen vier Modi wird der Modus "Martin 1" in aller Welt bevorzugt verwendet. Die Farbfolge bei den Martin-Modi ist Grün-Blau-Rot (GBR) im Gegensatz zur sonst üblichen Farbfolge Rot-Grün-Blau (RGB). Die Übertragung eines "Martin-1-Bildes" dauert 114 Sekunden und stellt einen guten Kompromiss zwischen Übertragungszeit und Auflösung dar.

Um SSTV-Betrieb machen zu können, werden spezielle SSTV-Geräte mit allen Funktionen und Schnittstellen für Bildaufnahme- und -wiedergabe oder Heimcomputer verwendet. Der zusätzliche technische und finanzielle Aufwand ist relativ gering. Auch wer Digital-SSTV probieren möchte, dem bieten sich verschiedene kostenlose Programme an, wie das EasyPal Programm von Erik, VK4AES. EasyPal stellt derzeit wohl die komfortabelste Lösung für die Betriebsart Digital-SSTV dar. Eine Einstiegshilfe dazu hat Günter, DD9ZO verfasst (siehe "Lesetipps").

Die Anruffrequenzen für SSTV-Betrieb auf der Kurzwelle sind 3.735, 7.165, 14.230, 21.340 und 28.680 kHz (Digital-SSTV: 3733, 7.173, 14.233, 18.1625, 21.340 und FM 29.550 kHz). Aktivitäten sind täglich zu beobachten. Allerdings treffen sich auf denselben Anruffrequenzen auch FAX-Freunde. Kollisionen und Missverständnisse werden vermieden, wenn Sendeart und Übertragungsnorm vor der Aussendung eines Bildes angesagt werden.

Eine digitale Variante SSDV ist auf https://ukhas.org.uk/guides:ssdv beschrieben.


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