Packet-Radio

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Vorbemerkung

Von Packet Radio ist mittlerweile wenig mehr als APRS übrig geblieben. 1200-bps-Signale kann man also noch recht häufig auf 144,800 MHz hören, sonst ist Packet-Radio nahezu tot und wird durch HAMNET ersetzt und überholt. Spätestens wenn die Elektronik von Packet-Radio-Linkstrecken den Geist aufgibt, sind in den meisten Fällen die Alternativen einfach abschalten oder durch HAMNET-Technik ersetzen.


Packet-Radio

Packet Radio ist ein Paketfunkdienst. Wie im Internet auch werden Daten bei Packet-Radio in Form von Paketen versandt. Das speziell für Amateurfunkzwecke angepasste Protokoll AX.25 lehnt sich an das kommerziell genutzte Protokoll X.25 an, das beispielswiese bei Datex-P Verwendung fand.

Die Hochzeit des Packet-Radio waren sicher die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Seit 2010 ist das Netz nur noch teilweise vorhanden, viele Standorte sind weg gefallen. Dadurch wurden viele Linkstrecken abgebaut. Gründe dafür liegen in der Beschränkung der auf den DFMG-Standorten maximal erlaubten Anzahl von Amateurfunk-Antennen, den gestiegenen Energiepreisen bei der Stromversorgung der Amateurfunkanlage (besonders bei den Interlinkfunkstrecken) und dem geringen Datendurchsatz bei Packet-Radio. Daher streben die Funkamateure die Ablösung von Packet-Radio und Ersetzung durch das HAMNET an, welches die direkte Nachfolgertechnik ist und gegenüber Packet-Radio die Übertragung multimedialer Inhalte zulässt. Lokal mögen noch der eine oder andere Benutzereinstieg sowie einige Linkstrecken vorhanden und betriebsbereit sein, doch auf lange Sicht wird sich die bereits geschilderte Entwicklung weiter fortsetzen.

Baudraten:

  • für den Benutzereinstieg:
    • auf HF: 300 Baud
    • auf 2m/70cm: 1200 Baud und später 9600 Baud
  • für Linkstrecken:
    • 19200 Baud bis zu 1 MBit/s

Ausrüstung: Um Packet Radio zu betreiben, genügt ein PC mit einem Packet-Radio-Programm (z.B. Paxon, ein Packet-Radio-Modem (z. B. ein Terminal Node Controller (TNC) und ein 2m- oder 70cm-FM-Funkgerät. Ist ein Benutzereinstieg für 1200 Bad Packet Radio vorhanden, kann das Funkgerät ohne Modifikation verwendet werden. Für schnellere Kommunikation mit 9600 Baud waren meist Änderungen am Funkgerät nötig, es sei denn, das Funkgerät wurde von Seiten des Herstellers auf den betrieb mit 9600 Baud vorbereitet.

Benutzereinstieg: Ein Benutzereinstieg ermöglicht Benutzern, die Funkamateure sein müssen, den Einstieg in das (damals) weltweite Packet Radio Netz. Der Benutzereinstieg besteht im Wesentlichen aus einem Funkgerät, das mit den Benutzern kommuniziert sowie mindestens einem Linkrechner, der eine Linkstrecke zu einem entfernten, weiteren Linkrechner aufbaut. Die benutzten Frequenzen liegen meist im 70cm Band, es gab / gibt aber auch Einstiege im 23cm-Band.

Linkrechner: Ein Linkrechner dient dazu, das Packet Radio Netz über weite Entfernungen zu spannen. Linkknoten bedienen oft mehrere Links und fungieren wie ein Daten-Knotenpunkt. Ein Linkrechner besteht aus einem digitalen Teil, der für das Verteilen der Datenpakete sorgt und einem oder mehreren (analogen) HF-Modulen, welche die Daten senden bzw. von anderen Linkrechnern empfangen.

siehe auch: Digipeater

Die Geschichte von Packet Radio

Als eine Gruppe von Funkamateuren im kanadischen Vancouver im Jahre 1978 mit Experimenten zur digitalen Nachrichtenübermittlung begannen, ahnte noch niemand, welche rasante Entwicklung dieser Technik noch bevor stand.

Nach der Vancouver Amateur Digital Communications Group (VADCG) bildete sich 1981 in Tucson/USA die Tucson Amateur Packet Radio Vereinigung TAPR.

Diese Gruppe entwickelte den legendären TAPR TNC-1 (Terminal Node Controller) mit einer Amateurversion des kommerziellen X.25 Protokolls, genannt AX.25, die sich gegenüber der VADCG-Version durchsetze.

Das AX.25 Protokoll der Ebene 2 ist inzwischen von der IARU als Standard und Betriebsart anerkannt worden.

Seit Anfang 1984 ist der Datenpaketfunk (so hieß es im Behördendeutsch) auch in der Bundesrepublik vertreten. Waren am Anfang nur ganz wenige Stationen in Hannover, Braunschweig und München vertreten, so stieg die Zahl innerhalb weniger Wochen (zum Teil dank gut organisierter Masseneinkäufe durch den Distrikt Bayern Süd) deutlich an.

Mit der Nachfolgegeneration des TNC-1 (damals als Bausatz über 800 DM!!) wie TNC-2, entsprechenden Nachbauten, C64/Apple-Softwarelösungen, aber auch neuen kommerziellen Produkten von KANTRONIC, AEA, usw. explodierte die Zahl der Stationen förmlich. Diese Entwicklung führt auch dazu, dass ältere Betriebsarten wie RTTY mehr und mehr verdrängt, bzw. durch diese neue Technik besonders auf UKW abgelöst wurden.


Hardware

Es gibt viel mehr TNCs, als man hier aufführen kann. Viele Designs sind leider nicht frei verfügbar. Das gilt dann auch für die darauf laufende Software (auch, wenn die Lizenzbedingungen der verwendeten Vorlage ausdrücklich etwas anderes sagten).

TNC1

einer der ersten TNC, Direktimport als Bausatz von DJ3UW aus Tucson, AZ

ist der Klassiker von TAPR. Es gab vor seinem Erscheinen schon einige Entwürfe, die sich aber alle nicht durchsetzen konnten. Auch diverse Software Lösungen hatten wenig Erfolg.


Die Hardware basiert auf einem 6809 von Motorola mit einiger sehr teurer Peripherie. Die ursprüngliche Software von TAPR war teils in Assembler, teils in HP-Pascal geschrieben. Wenn jemand noch 8" Disketten lesen kann, kann er die Quelltexte auslesen und hier einstellen (Kontakt DF2AU). Später hat dann WA8DED eine neue Firmware geschrieben, die den Terminalmodus durch den Hostmode ersetzte und völlig neuen Komfort bot. Auf Grund des hohen Preises konnte sich der TNC1 nicht durchsetzen.

Die ersten vernetzten Digipeater in Deutschland (DB0FC, DB0FD, DB0FE) liefen mit einer Software von DC4OX auf TNC1.


TNC2

gibt es in vielen Geschmacksrichtungen. Alle basieren auf einem Z80 mit der passenden Serial Input Output Schnittstelle.


TAPR

Es gab auch eine Version von TAPR, von der leider keine Hardware Unterlagen verfügbar sind. Die Software dazu ist ähnlich spartanisch wie beim TNC1. Der Quelltext der Firmware ist geheim.


EURO-TNC

Der EURO-TNC war eine preiswerte Lösung auf zwei Euro-Platinen.


TNC2C

Der TNC2C wurde der Renner schlechthin. Auf einer Europlatine war er für wenig Geld schnell aufgebaut. Die passende Firmware gab es von WA8DED (Quelltext geheim) und als TheFirmware von Nordlink (ALAS)


GLB ("der Elch")

Kenner der Szene konnten ein GLB-Board an seinem characteristischen Klang erkennen, dem er auch den Spitznamen verdankt. Es ist eine minimale Hardware auf Z80 Basis. Der Quelltext seiner Firmware ist geheim. Sie muß sehr trickreich programmiert sein. Schließlich sind nur 8kBytes EPROM und 4kBytes RAM an Bord.


TNC220 und Verwandte

Der TNC220 basiert wie der TNC2 auf dem Z80, verwendet aber eine andere SIO. Außerdem unterstützt er zwei Baudraten: 300Bd für Kurzwelle und 1200Bd für VHF. Es gab eine TAPR ähnliche Firmware und von Nordlink TheFirmware. Sehr verwandt ist der DR220, ein Gerät speziell für Digipeater mit 2 Ports für Funkgeräte und einem Terminalport. Da er auch nur maximal 1200Bd verträgt, kam er für Europa zu spät. Es fand sich niemand, der eine Digipeater Software dafür schreiben wollte.

TNC3

DLC7

Persönliche Werkzeuge